|
von Jochen Schulte
Zur Geschichte
Die geschichtlichen Aspekte und das Prinzip des Verfahrens behandeln die im Literaturverzeichnis aufgeführten neueren deutschsprachigen Quellen.
So einfach, wie die Herstellung der Cy manchmal dargestellt wird, ist sie nun auch wieder nicht. Deshalb soll der Ablauf der praktischen Durchführung des Verfahrens, sowie Hinweise auf Vermeidung von Fehlerquellen vor allem dem Einsteiger helfen, Misserfolge zu vermeiden und zu guten Ergebnissen zu kommen. Meinen Darstellungen liegen nunmehr langjährige Erfahrungen zu grunde und können als Empfehlung betrachtet werden.
Durchführung des Verfahrens
Materialliste:
- Ammoniumeisen (III)-citrat grün, reinst
- Kaliumhexacyanoferrat (III), Rotes Blutlaugensalz
- Printnegativ mit optimaler Dichte
- Wasserstoffperoxidlösung 0,3%-ig
- Destilliertes Wasser, (Aqua dest.)
- zwei Weithals-Mischflaschen 100 ml, braun (für Lösung A und B)
- Flasche 1000 ml für Wasserstoffperoxidlösung
- Aquarellpapier (wasserfest) ab 190 g/qm
- Beizpinsel (mit Kunstofffassung) 30-50 mm
- Petrischale (Kunststoff)
- Mensur 100 ml, Mensur 25 ml
- Haartrockner
- UV-Quelle: Sonne, künstliche UV-Lichtquelle (z.B. Philips Home Solaria 6x20 Watt)
- Belichtungsrahmen (Kontaktkopierrahmen)
- Atemschutzmaske, Gummihandschuhe
- Glasplatte, größer als das Papierformat
- Zeitungspapier
- Kopierpapier DIN A3
- Kartenspiel
- Etiketten zum Beschriften der Flaschen
Präparation der "photoaktiven" Lösungen
Lösung A:
25 g Ammoniumeisen (III)-citrat auf 100 ml Aqua dest.
Lösung B:
16 g Kaliumhexacyanoferrat (III) auf 100 ml Aqua dest.
Mein Ansatz:
12,5 g für Lösung A und 8 g für Lösung B jeweils auf 50 ml Aqua dest. Der Ansatz ist ausreichend für die Beschichtung von zehn bis zwölf Papieren in der Größe 32x26 cm. Frischer Ansatz - bessere Ergebnisse.
- Chemikalien getrennt in den braunen Mischflaschen durch Schütteln in Lösung bringen.
- "Photoaktive Lösung" 5 ml der Lösung A und 5 ml der Lösung B in der Petrischale durch kreisende Bewegung innig mischen. Lösung sofort verarbeiten.
Die Lösung ist nach dem Mischen lichtempfindlich. Präparation und Verarbeitung nur bei Glühlampenlicht (max 25 Watt).
- Wasserstoffperoxid-Lösung 0,3%-ig 100 ml Wasserstoffperoxid 3%-ig auf 1000 ml Leitungswasser.
Papier beschichten
Die Lösung wird gleichmäßig mit dem Pinsel aufgetragen. Inseln vermeiden.
Trocknung mit dem Fön
Papier zuvor 2 min ruhen lassen, damit die Lösung in den Papierfilz eindringen kann. Fönabstand 40 cm, Trockenzeit ca. 6 min. Atemschutzmaske tragen!
Trocknung an der Luft (nicht bei Tageslicht) etwa 1-2 Stunden.
Belichtung
Belichtet wird das beschichtete Papier unter einem Negativ in der Sonne oder mit einer künstlichen UV-Lichtquelle mit Hilfe des Kontaktkopierrahmens:
Lichtquelle
Glasscheibe
Negativ
beschichtetes Papier
plane Grundplatte bzw.
Andruckplatte beim Kontaktkopierrahmen
Für erste Versuche eignet sich ein Cliprahmen (Bilderrahmen) mit Klarglas. Mattglas verlängert die Belichtungszeit erheblich. Planlage des Rahmens zu- sätzlich mit Maulklemmen oder Wäscheklammern verbessern. Optimal ist der Einsatz eines Kontaktkopierrahmens, den man selber bauen kann.
Belichtungszeit
Sonne und künstliche UV-Lichtquelle 10-30 min. Über- und Unterbelichtung ergeben die richtige Belichtungszeit für das verwendete Material. Mit Probe- streifen Belichtung testen.
Belichtungskontrolle
Schatten intensiv grau, Lichter hellblau-türkis = richtige Belichtung
Entwicklung des belichteten Papieres mit Leitungswasser
Entwicklungszeit max. 5 min
Papier mit der Schichtseite in fließendes Leitungswasser legen. Die Entwicklung ist beendet wenn keine blaue Farbe mehr vom Papier wegschwimmt.
Jetzt kommt der Augenblick, der mich für alle Mühen "entschädigt": das Bad in 0,3%-iger Wasserstoffperoxid-Lösung. Das Papier nimmt jetzt die Farbe an, die es in trockenem Endzustand haben wird, das Blau wird erheblich intensiver.
Zeiten
Wasserstoffperoxid-Bad 20 sec ausreichend
anschließende Wässerung (fließendes Wasser) 60 sec
Trocknung
Wasser vom Print entfernen. Auf die trockene Glasplatte einige Lagen Zeitungs- papier legen. Print auflegen und mit weiteren Zeitungsseiten vom Wasser befreien. Darauf achten, dass keine Inseln entstehen. Eventuell Zeitungspapier erneuern. Im schrägen Gegenlicht sieht man die Wasserflecken! Mit der Schicht nach oben lege ich nun den Print auf einen selbst gebauten Trockenrahmen und lasse über Nacht durchtrocknen.
Eine Pressholzplatte (größer als der Print) dient mir als Unterlage für das weitere Vorgehen. Zwischen mehreren Kopierpapieren entsprechender Größe, z.B. DIN A3, wird nun der Print mit zwei schweren Eisenplatten (oder schweren Büchern) gepresst, so dass er etwa in 5- 6 Tagen vollkommen glatt ist.
Benötige ich die Cyanotypie schon am nächsten Tag empfehle ich folgende Trockenmethode:
- vom Wasser befreiten Print mit der Schichtseite nach oben auf eine saubere und trockene Glasplatte legen und mit Nassklebeband fixieren
- über Nacht trocknen lassen und mit Lineal und Cutter sauber von der Scheibe trennen
Fehlerquellen und weitere Hinweise
- Ammoniumeisen (III)-citrat: Nur die grüne, reine, lichtempfindlichere Chemikalie verwenden.
Die braune Chemikalie verliert an Lichtempfindlichkeit und leuchtender Farbintensität (Test Jochen Schulte 2001).
- Einfüllen ohne Chemikalienverlust: beim Einfüllen der Chemikalien in die braunen Flaschen zuvor Spielkarten oder Karton der Länge nach knicken.
- Lösung A ist bei Zimmertemperatur schlecht haltbar. Es bilden sich bereits nach zwei Tagen Schimmelstippen, die auf den Prints kleine tiefblaue Flecken hinterlassen und der Einsteiger weiß nicht, wo diese herkommen. Beide Lösungen im Kühl- schrank aufbewahren. Haltbarkeit: nicht länger als drei Wochen bei 4°C (Test Jochen Schulte 2000).
Frischer Ansatz = farbkräftigeres Blau.
- Die Schimmelbildung wird bei Zugabe von Gelatinelösung beschleunigt. Zudem geliert die Lösung in der Kälte.
- Zusatz von Kaliumdichromat zur Kontraststeigerung ist nicht erforderlich, wenn hochwertig geleimte Papiere Verwendung finden. Diese bringen ohnehin kräftige Farbtöne. Zudem ist die Chemikalie giftig und daher gesundheitsschädlich.
- Schwach oder nicht geleimtes Papier kann nachgeleimt werden, z.B. Zeichenpapier (Schulblöcke). 5 g Gelatine weiß, Grießform (plv.), in 200 ml 50-60°C heißem Wasser lösen. Eine Seite einstreichen und so verahren wie beim Trocknen der Cyanotypein (s.Hinweise).
Fingerprobe
Schwach oder nicht ausreichend geleimtes Papier klebt wenig oder garnicht zwischen angefeuchtetem Daumen und Zeigefinger.
- "Photoaktive" Lösung gleichmäßig auftragen. Papier nicht über den Rand hinaus einstreichen. Wegen des Durchschlags der Lösung von der Rückseite des Papieres her, kommt es zur braun-violetten Fleckenbildung auf der Schichtseite.
- Pinsel nach Gebrauch gründlich unter fließendem Wasser reinigen.
- Für die Beschichtung nur Pinsel mit Kunststofffassung ver- wenden. Die Lösung reagiert mit dem Eisenblech des Pinsels, und es entstehen hässliche braune Flecken auf dem Print.
- Zum Beschichten nur trockene Pinsel verwenden. Nasse Pinsel verändern die Konzentration der Lösung. Mehrere Papiere be- schichten oder mehrere trockene Pinsel bereithalten.
- Papiere oberer Preisklassen zeichnen sich aus durch optimale tierische Innen-und Oberflächenleimung, Farbechtheit und Altersbeständigkeit.
- Bewährte Papiersorten die ich verwende sind: Aquarelle Arches Grain Satine 300 g/qm Hahnemühle Aquarell "Burgund" matt 250 g/qm
Alle Aquarellpapiere ab 190 g/qm sind geeignet. Feinere Ober- flächen, z.B. Satine, bringen mehr Brillianz. Aquarellpapiere in Rollen kaufen und selbst zuschneiden. Das verringert die Kosten.
- Bei Verwendung künstlicher UV-Lichtquellen immer konstanten Belichtungsabstand (Lichtquelle zum Printnegativ, Empfehlung: Diagonale des Papieres) einhalten.
- Für erste Versuche eignet sich ein Cliprahmen (Bilderrahmen) mit Klarglas. Mattglas verlängert die Belichtungszeit erheblich. Planlage zusätzlich mit Maulklemmen oder Wäscheklammern verbessern.
Bau eines Trockenrahmens
Material:
2 Latten 105 cm x 3,5 cm x 2,0 cm
2 Latten 39,5 cm x 3,5 cm x 2,0 cm
4 Montagewinkel 6,0 cm x 2,0 cm
Fliegengitter für Fenster mit selbstklebenden Klettband
Holzleim, Schrauben, Nägel
Rahmen montieren, Klettband an die Seiten der Latten kleben, Fliegengitter an einer Längsseite und den Seitenteilen auf dem Klettband festkletten, stramm ziehen und auf der gegenüber lie- genden Seite ankletten und abschneiden.
Auf diesem Rahmen haben fünf Prints im Format 20 x 30 cm aus- reichend Platz. Der Rahmen passt auf das Wandträgersystem mit 40 cm Breite.
- Wässerung des Prints Harter Wasserstrahl aus dem Schlauch wegen punktueller Auf- hellung unbedingt vermeiden. Bessere Kontrolle der ab- schwimmenden Farbe: eine weiße Laborschale verwenden.
Liefernachweis für die Chemikalien
Mein Apotheker liefert die Chemikalien äußerst preisgünstig:
12,5 g Ammoniumeisen (III)-citrat, grün und 8,0 g Kaliumhexacyanoferrat, Rotes Blutlaugensalz jeweils für 50 ml je 1 Weithals-Mischflasche 100 ml mit Chemikalien für die Lösung A und B, incl. Beschriftung und Verpackung, zum Preis von EUR 8,50 zzgl. Porto. Ich fülle mit 50 ml Aqua dest. auf, schüttele kräftig, fertig sind die Lösungen A und B. Ein kleiner Messbecher wird beigefügt.
Die Chemikalien liefert Dr. Loesevitz auch in 100 ml-Flaschen mit doppel- ter Chemikalienmenge zum Preis von EUR 12,50. Auf Wunsch sind kleinere oder größere Gewichtsmengen lieferbar, ebenfalls in Mischflaschen.
Bezugsquelle
Apotheker
Dr.rer.nat.Bernd Loesevitz
Hauptstr. 102
59846 Sundern/Sauerland
Tel. 02933/2531
Fax 02933/6615
Wasserstoffperoxid - Bad Verdünnung
100 ml Wasserstoffperoxid 30%-ig auf 900 ml Wasser = 3%-ige Lösung 100 ml Wasserstoffperoxid-Lösung 3%-ig auf 900 ml Wasser = 0,3 %-ige Lösung Wasserstoffperoxid erhält man in jeder Konzentration in der Apotheke.
Gut sortierte Drogerien, Farben-und Lackgeschäfte und Baumärkte halten Wasserstoffperoxid 30%-ig bereit.
Belichten in der Sonne
Anstellwinkel des Belichtungsrahmens nach dem Stand der Sonne ausrichten. Beschattung vermeiden. Für Cliprahmen o.ä. leichte Rahmen ist ein kurz ausgefahrener Notenständer eine ideale Anstellhilfe.
Hinweis zur Fleckenbildung
Schraubkappen innen und außen, sowie vor allem das Gewinde der Misch- flaschen sauber halten. Lösungsreste kristallisieren. Dies führt unweigerlich zu dunklen Stippen auf dem Print.
Sicherheitshinweis
Latexhandschuhe (Gummihandschuhe) und Atemschutzmaske tragen beim
- Einfüllen der Chemikalien in die Mischflaschen
- Atemschutzmaske beim Trocknen der Prints mit dem Fön
Kontaktkopierrahmen (Belichtungsrahmen) selbst bauen
Handreichung Kontaktkopierrahmen "John Herschel"
Jochen Schulte
Altes Schulhaus/Meinkenbrachter Str. 7
59846 Sundern/Sauerland
Tel. 02934/779299
Handreichung gegen EUR 5,- (Kostenbeitrag) anfordern.
Liefernachweis für Aquarellpapiere
Schreibwarengeschäfte verkaufen Aquarellpapiere mit glatter Oberfläche oder können diese Papiere bestellen.
boesner Großhandel für Künstlerbedarf
Zentraler Versandservice
Liegnitzer Str. 17
58454 Witten
02302/9 10 66-0
www.boesner.com
boesner-Direktverkauf findet man auch in Köln, Forstinning, Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Hamburg Beliefert werden Künstler, Schulen, Behörden,.......
Monochrom
Königstor 14A
34117 Kassel
0561/93519-0
www.monochrom.de
Johannes Gerstäcker Verlag GmbH
Wecostr.4
53783 Eitorf
02243/889-0
www.gerstaecker.de
Literatur
Kiegeland, Burkhardt
Cyanotypien
Schwarzweiss Special Herbst 1998
S.60 f
Lanzinger, Pia
Bilder aus der Sonne
Color Foto 03/1999
S.48 f
Frank, Herbert
Cyanotypie
Ruck-Zuck-Edeldruck
Ausgabe Nr.1/2003
GfphE Kemmenau
Schulte, Jochen
Handreichung "Der Cyanotypie-Prozess" Verfahren, Hinweise und Fehlerquellen
Sundern- Meinkenbrachtb 2002-2003
Jeder alternative Printprozess fordert heraus, das Verfahren, die Praeparation der Lösungen, Qualität und optimale Einsatzmöglichkeit der Papiere und deren Beschichtung und Belichtung, sowie Fehlerquellen zu diskutieren. So gibt es auch im Cyanotypieprozess z.B. unterschiedliche Vorstellungen in Hinblick auf das Rezept für die Praeparation der Lösungen. Andere Verfahrensweisen führen ebenso zum Ziel.
Diese Handreichung soll Information und Hilfestellung zu gleich sein, insbesondere für den Einsteiger, der nun bei auftretenden Fehlern weiß, was zu tun ist.
Hält er sich an die Empfehlungen, werden schon schnell gute Ergebnisse erzielt. Möge der Beitrag dazu dienen, dass die Cyanotypie, dieses historische Verfahren mit besonderer nostalgischer Anmutung - aus den Pioniertagen um das Jahr 1840 - weiter verbreitet wird und dass viele leichter Zugang finden.
|
|